Geschützter Raum für starke Eltern-Kind-Bindung

Das von Sternstunden mit rund 250.000 Euro unterstützte Eltern-Care-Projekt der Neonatologie am LMU Klinikum bietet nun Rooming-in für Familien mit Frühgeborenen und kranken Neugeborenen an

Zärtlichkeit und Nähe auf der Intensivstation (© Foto: LMU Klinikum München)

Maximale Nähe zwischen Baby und Eltern trotz intensivmedizinischer Überwachung – das macht das neue Projekt „Eltern-Care“ der Neonatologie der Kinderklinik und Kinderpoliklinik am Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum möglich. Dank einer „Rooming-In-Überwachungsstation“ können auf der Früh- und Neugeborenen-Intensivstation am Standort Großhadern Eltern nun trotz einer notwendigen Intensivtherapie rund um die Uhr im eigenen Zimmer bei ihren Kindern sein. In diesem geschützten Raum können sich die Frühgeborenen und kranken Neugeborenen durch den engen Eltern-Kind-Kontakt besser entwickeln.

Große Freude über die Unterstützung durch Sternstunden für das Eltern Care-Projekt (v.l.n.r.): Prof. Dr. Andreas W. Flemmer, Leiter der Neonatologie am LMU Klinikum, Thomas Jansing, Vorstandsvorsitzender Sternstunden, Bettina de Mattia, Pflegedienstleitung am Dr. von Haunerschen Kinderspital, Prof. Dr. Markus M. Lerch, Ärztlicher Direktor des LMU Klinikums, Anouschka Horn, Schirmherrin von FrühStart ins Leben e.V., Prof. Dr. Uwe Hasbargen, Leiter der Perinatologie am LMU Klinikum in Großhadern.  (© Foto: LMU Klinikum)

Dafür sind im Rahmen des Eltern-Care-Projektes in vier Zwei-Bett-Zimmern für frisch Entbundene insgesamt acht Kinderbetten zu Monitor-Überwachungsbetten umgebaut worden. Über die Monitore am Bett können die Eltern Vitalwerte wie den Herzschlag und die Atemfrequenz sehen und haben in kritischen Situationen jederzeit die Möglichkeit, aus ihren Zimmern direkt Hilfe zu rufen. Gleichzeitig werden die kindlichen Werte jederzeit auf eine neue Monitorzentrale in den Pflegestützpunkt der Intermediate-Care-Station übertragen und dort engmaschig von Pflegekräften und Ärzten überwacht. So können diese im Notfall schnell eingreifen. Drei Monate lang wurde die Station dafür umgebaut; das Projekt wurde mit fast 250.000 Euro von Sternstunden über den Förderverein FrühStart ins Leben, e.V. gefördert. „Trotz intensiv-medizinischer Betreuung Eltern während der Behandlungszeit die physische Nähe zu ihrem Kind zu ermöglichen, ist mittlerweile als wichtiger Baustein zur Genesung der kleinen Patientinnen und Patienten anerkannt. Es bleibt zu wünschen, dass der Modellcharakter von „Eltern Care“ zum Standard im klinischen Alltag auf allen Neugeborenen-Intensivstationen wird; Sternstunden wird seinen Betrag hierzu leisten“, so Sternstunden-Vorstand Thomas Jansing.

Rooming-In-Überwachungsstation hat viele Vorteile

Für Prof. Dr. Andreas W. Flemmer, Leiter der Neonatologie am LMU Klinikum, liegen die Vorteile der Rooming-In-Überwachungsstation auf der Hand: „Die Eltern übernehmen von Anfang an in einem geschützten Raum die Betreuung der Kinder“, sagt er. Durch den engen Kontakt werde frühzeitig die notwendige Eltern-Kind-Bindung aufgebaut und gestärkt. „Die Kinder entwickeln sich besser und sind generell stabiler“, erklärt der Pädiater. „Sie können früher entlassen werden.“

Schub für die Entwicklung

Für Familie Thaler (Namen geändert) war das neue Angebot ein „Riesenglück“. Zusammen mit den Söhnen Andreas und Luis teilt sie sich ein Eltern-Care-Zimmer. Die Zwillinge sind sechs Wochen zu früh auf die Welt gekommen. Nach der Geburt war die Atmung noch unregelmäßig, am Anfang gab es Probleme beim Stillen, der Blutzucker der Kinder war nicht stabil. „Die Nähe tut unseren Kindern echt gut, sie haben wahnsinnige Schritte gemacht“ berichtet der Vater. Als „große Erleichterung“ beschreibt die Mutter das neue „Eltern-Care“ Projekt: „Wir haben hier unseren eigenen Rhythmus jenseits von den organisatorischen Abläufen auf der Station, die Kinder können trinken, wann sie wollen“, sagt sie. „Gleichzeitig ist beruhigend, dass jemand im Hintergrund ist.“

Meldung erstellt am: 28. Juni 2022