Ein Theater, das Türen öffnet – für alle Kinder
Mit der feierlichen Eröffnung des neuen Jugendtheaters der Kulturwerkstatt des Stadtjugendrings Kaufbeuren ist ein besonderer Ort entstanden: ein Theater, in dem Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam auf der Bühne stehen. Sternstunden hat dieses Projekt mit 220.000 Euro unterstützt und damit ermöglicht, dass das Theater nicht nur zugänglich, sondern wirklich offen für alle ist.

Am Anfang war es ein Kino aus den 1930er Jahren, das längst nicht mehr zu dem passte, was hier eigentlich entstehen sollte: ein Ort voller Leben, Kunst und Mut.
Stühle, höhenverstellbare Tische, Turnmatten, Video-, Sound- und Kameratechnik, Regalsysteme, Werkbänke, Nähmaschinen, Zirkusmaterial, Vorhänge, Sicherheitsgurte – all das klingt nach Ausstattung. In Wahrheit sind es Bausteine für etwas viel Größeres: Selbstvertrauen, Gemeinschaft, Perspektiven.
Lenas Geschichte: Vom leisen Rand in den hellen Mittelpunkt
Lena (Name geändert) ist 11 Jahre alt. Sie ist seit ihrer Geburt geistig und motorisch eingeschränkt. In der Schule ist sie oft „die, die nicht mitkann“. Beim Sport, auf Ausflügen, in AGs – vieles findet ohne sie statt. Als Lenas Mutter von der Kulturwerkstatt hört, zögert sie. Theater? Bühne? Rampenlicht? „Das ist doch nichts für Lena“, denkt sie. Aber Lena selbst will es versuchen. Beim ersten Besuch im neuen Jugendtheater staunt sie: breite Türen, ein Aufzug, Plätze und Technik, die genau auf ihre Bedürfnisse angepasst sind. Niemand schaut komisch, wenn sie mehr Zeit braucht. Niemand sagt: „Das geht nicht.“
In ihrer theaterpädagogischen Gruppe probt Lena mit anderen Kindern – einige mit Behinderungen, einige aus geflüchteten Familien, andere einfach mit einer großen Portion Lampenfieber. Sie schreiben gemeinsam Dialoge, basteln Requisiten, malen Kulissen, üben Szenen. Stoffe, Holz, Farben, Pinsel – vieles davon wurde durch Sternstunden finanziert, damit die Kinder ihre Bühnenwelt selbst erschaffen können.
Bei der Eröffnung sitzt der Saal voller Menschen. Eltern, Geschwister, Freunde. Lena steht seitlich auf der Bühne, die Hände zittern ein wenig. Als sie ihren ersten Satz spricht, ist es ganz still. Kein Tuscheln, kein Lachen. Nur Aufmerksamkeit. Am Ende ihrer Szene beginnt jemand zu klatschen, dann der ganze Saal. Lena lächelt – ein zartes, vorsichtiges Lächeln, das in dem Moment größer ist als jeder Applaus. Später sagt sie leise zu ihrer Mutter: „Hier bin ich nicht die, die anders ist. Hier bin ich die, die gespielt hat.“
Die Kulturwerkstatt gibt es seit 30 Jahren. Woche für Woche werden dort rund 200 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 21 Jahren in festen pädagogischen Gruppen begleitet. Etwa 30 % von ihnen haben eine Behinderung, kommen aus benachteiligten Familien oder haben einen Flucht- oder Migrationshintergrund. Hier entstehen jährlich rund 70 Aufführungen – 70 Chancen, gesehen und gehört zu werden.
Genau hier setzt Sternstunden an: Mit der Förderung des barrierefreien Theaters und der notwendigen Innenausstattung schaffen wir gemeinsam einen Ort, an dem Kinder wie Lena erfahren, wie sich Teilhabe wirklich anfühlt – nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit.
Meldung erstellt am: 15. April 2026