Jochen Mack macht sich Gedanken über Inklusion
Fast jeden Monat schreiben Projektträger zu einem bestimmten Stichwort. Im März macht sich Jochen Mack von der einsmehr Akademie gGmbH Gedanken über Inklusion für junge Menschen mit Beeinträchtigungen.

Stark machen für Inklusion. So wirken Sternstundenprojekte
Unsere Gesellschaft ist gespalten. Zu viele Menschen haben das Gefühl, von einigen oder allen Bereichen des Lebens in Teilen oder komplett ausgeschlossen zu sein. Was bedeutet das aber für Kinder und Jugendliche? Und die wichtige Frage: Wie kann man diese Spaltungen überwinden? Dazu Beispiele von zwei Projekten mit und für Kinder und Jugendliche mit einer kognitiven Beeinträchtigung.
Viele Menschen mit Down-Syndrom präsentieren sich gern und fühlen sich auch auf einer Bühne sehr wohl – frei von Zensur und mit ansteckender Begeisterung. Deshalb waren wir, der Verein einsmehr, sehr erfreut, als uns das Junge Theater Augsburg zu einem runden Tisch für inklusive Möglichkeiten einlud. In einem größeren Projekt wurden erste Schritte für ein inklusives Theater entwickelt.

In diesem Kontext entstand im Jahr 2024 das Projekt SPIELeinsmehr – ein inklusiver Theaterclub, zu dem vor allem junge Menschen mit Down-Syndrom eingeladen wurden und der durch Unterstützung von Sternstunden möglich wurde. Die inklusive Gruppe wurde langsam an Auftritte auf der Bühne vorbereitet und es wurde in kleinen Schritten vermittelt, was es bedeutet, auf einer Bühne zu stehen. Der Stoff wurde gemeinsam entwickelt. Und alle bekamen die Rollen „auf den Leib geschneidert“. So konnten alle – ob mit oder ohne Behinderung – ihre Gefühle und ihre Fragen auf die Bühne bringen.
Trotz vieler Sonntagsreden über Inklusion: Von Montag bis Freitag gehen die meisten Kinder mit einer kognitiven Beeinträchtigung auf eine Förderschule. Damit können sie keinen Schulabschluss erwerben. Im Anschluss finden sie meist keine ausreichenden und für sie passenden Ausbildungsmöglichkeiten vor. Sie haben deshalb in der Regel keine Alternative zu einem Berufsbildungsbereich in einer Werkstatt für behinderte Menschen.

Sternstunden ermöglichte einen neuen Weg: In einem Projekt der einsmehr gGmbH (gegründet vom Verein einsmehr) wurde eine Form der beruflichen Bildung für das Hotel- und Gastgewerbe entwickelt, die vor allem auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt stattfindet und die der Zielgruppe gerecht wird. Der Unterricht orientiert sich an den Fähigkeiten der Menschen und vermittelt grundlegendes Wissen und Fertigkeiten, die die Teilnehmenden in ihrem Berufsalltag brauchen. Durch die Praxis in einem Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarkts ist die Theorie immer verknüpft mit realen Erfahrungen.
Das Projekt war sehr erfolgreich. Ein Großteil der Teilnehmenden arbeitet heute als Hilfskraft auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, vor allem im Hotel- und Gastgewerbe. Aufgrund der weiterhin großen Nachfrage und der erzielten Erfolge entschied sich einsmehr, den Weg fortzusetzen. In der Zwischenzeit wurde die einsmehr Akademie gegründet, die ab September 2025 Angebote der beruflichen Bildung macht, die den Personen aus der Zielgruppe einen Start auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichen.
Beide Projekte zeigen: In dem entsprechenden Setting können junge Menschen mit Beeinträchtigung ihre Kompetenzen so entwickeln, dass sie diese später auch gut in die Gesellschaft einbringen können. Damit werden Spaltungen überwunden oder können gar nicht erst entstehen.

Meldung erstellt am: 20. Februar 2025